Jörg Immendorff

Biografie

1945 geboren in Bleckede bei Lüneburg
1963-64 studiert er Bühnenbild bei Theo Otto an der Staalichen Kunstakademie in Düsseldorf
1964 tritt er in die Klasse von Joseph Beuys ein
1980-86 Tätigkeit als Hauptschullehrer
1981-85 ist er als Gastdozent an verschiedenen Kunstakademien u.a. in Hamburg, Zürich, Stockholm, München und der Werkschule in Köln tätig
1984 Eröffnung des Lokals “La Paloma” in St. Pauli, Hamburg
1989 Professur an der Städelschule, Staatliche Hochschule für bildende Künste in Frankfurt
1996 Professor an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf
1997 Gastprofessur an der Academy of Fine Arts in Tianjin, China
2007 Jörg Immendorff stirbt, nach langer Krankheit, in Düsseldorf

Der Maler, Bildhauer, Grafiker und Aktionskünstler Jörg Immendorff wurde am 14.06.1945 in Bleckede, bei Lüneburg, geboren. Im Jahr 1963 wird er an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf in die Bühnenbildner-Klasse von Theo Otto aufgenommen. Nach drei Semestern wechselt er 1964 in die Klasse von Joseph Beuys, der zu einer wichtigen Bezugsperson für Immendorff wird. Er selbst betitelte sich als „Beuysritter“ und nicht selten spielt Beuys in seinen Bildern eine Rolle. In den folgenden Jahren kommt es jedoch zu Unstimmigkeiten zwischen den beiden. 1968 kehrt Immendorff der Akademie den Rücken und widmet sich überwiegend der Aktionskunst. Bereits während seiner Akademiezeit hatte Immendorff eine politisch orientierte Kunst vertreten. Sein berühmtes Bild, mit dem Aufruf „Hört auf zu Malen“, verweist schon auf seine Tendenzen in Richtung Aktionskunst hin.

1968 findet seine erste LIDL-Aktion statt, bei der er sich einen schwarz-rot-gold bemalten Holzklotz an sein Bein schnürt und diesen vor dem Bundeshaus in Bonn hinter sich herschleift. Das Kunstwort “LIDL“ ist laut Immendorff dem Geräusch einer Babyrassel entlehnt. 1976 lernt er den damals noch in der DDR lebenden Künstler A.R. Penck (Ralf Winkler) kennen und freundet sich mit ihm an. Durch ihn wird er inspiriert, eine neue Form der Historienmalerei zu kreieren, die sich mit dem Thema der deutschen Teilung auseinandersetzt und bereits Visionen einer deutschen Wiedervereinigung enthält. Im Gegensatz zu zahlreichen deutschen Malern, die sich nach 1945 der gegenstandslosen Malerei zuwandten, malte Immendorff gegenständliche Bilder mit besonderem Schwerpunkt auf politische und gesellschaftskritische Inhalte.

Sein Bilder-Zyklus „Café Deutschland“ entsteht in den Jahren 1976 bis 1983. Beeinflusst wurde Immendorff bei dieser Serie vor allem von dem Gemälde “Caffè Greco” des italienischen Künstlers Renato Guttuso. Immendorff entwickelt jedoch seine eigene Bildsprache. Seine Bilder sind voller Anspielungen auf die Deutsche Geschichte, die Rolle des Künstlers in der Gesellschaft sowie Verweise auf die gesamte Kunstgeschichte. Das „Café Deutschland“ ist für Immendorff der fiktive Austragungsort des Ost-West-Konflikts. Dort versammelt er Künstlerkollegen sowie Persönlichkeiten aus der Politik. Die fiktive Begegnungsstätte des “Café Deutschlands” erscheint in vielen verschiedenen Variationen, dramatisch ausgeleuchtet und inszeniert wie eine Theaterbühne. Die Beschäftigung mit der Rolle des Kunstgeschehens und der Kunstgeschichte drückt sich besonders in seiner nachfolgenden Serie “Café de Flore” (1987-92) aus, wo er sich kritisch mit der Modernen Kunst auseinander gesetzt hat. Im fiktiven „Café de Flore“ lässt er Künstlergrößen wie Giorgio di Chirico, Piero Manzoni, André Breton oder Marcel Duchamp aufeinander treffen. Natürlich tritt der Künstler selbst auch in den verschiedensten Rollen in seinen Bildern auf, nicht zuletzt in Gestalt des Affen. Der Affe steht als Allegorie für Weisheit, aber auch für Triebhaftigkeit. Er wird von Immendorff auch als sein Alter Ego bezeichnet, dem er eine Serie von Skulpturen widmet.

Ausstellungen

2016 Jörg Immendorff. Il Était Une Fois Immendorff, Galerie Suzanne Tarasiève, Paris
Gestatten, mein Name ist Geschichte. Jörg Immendorff – Grafische Werke. Ostholstein-Museum Eutin
2014/15 Jörg Immendorf. Versuch, Adler zu werden. Staatsgalerie Augsburg Glaspalast
2014 Jörg Immendorf - Druckgrafik. Neue Nationalgalerie, Berlin
Villa Schöningen, Potsdam
2013 Doppelausstellung in Schloss Bad Pyrmont und Schloss Corvey
Jörg Immendorf - Affentheater. Stadtgalerie Klagenfurt
2012 Baselitz - Immendorf - Schönebeck. Aus der Sammlung der Deutschen Bank. Kunstverein Villa Wessel, Iserlohn
2011 FESTIVAL DER TIERE – Eine Ausstellung für Kinder, Essl Museum – Kunst der Gegenwart, Klosterneuburg/Wien
2010 CORSO. Werke der Sammlung Essl im Dialog, Essl Museum – Kunst der Gegenwart, Klosterneuburg/Wien
2009 Mensch, Maler, Visionär – aus seinem druckgrafischen Werk, Gelnhausen
2008 Grafik und Skulpturen, Städtische Galerie kunsthaus kaufbeuren
Grafisches Gesamtwerk und Skulpturen, CCH Hamburg
Jörg Immendorff – Was uns Malerei bedeuten kann, Essl Museum – Kunst der Gegenwart, Klosterneuburg/Wien
2007 A Tribute – 35 Years of the Essl Collection, Essl Museum – Kunst der Gegenwart, Klosterneuburg/Wien
Passion for Art, Essl Museum – Kunst der Gegenwart, Klosterneuburg/Wien
2006 Mönchehaus Museum Goslar; Der Affe und ich, Städtisches Museum Hofheim am Taunus
2005 High Plains Drifter’‘, Contemporary Fine Arts
Das grafische Werk, Kunstmuseum Heidenheim
Male Lago, Nationalgalerie, Berlin
figur / skulptur, Essl Museum – Kunst der Gegenwart, Klosterneuburg/Wien
2004 Das grafische Werk, Städtische Galerie am Abdinghof Paderborn (Wanderausstellung)
2003 Aualand Teil 1: 1965–1984, Contemporary Fine Arts
Aualand Teil 2: 1985–2003, Contemporary Fine Arts

Werke in öffentlichen Sammlungen:

  • Museum für Moderne Kunst Louisiana, Humlebæk
  • Museet for Samtidskunst, Roskilde
  • Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen
  • Neues Museum Weserburg Bremen, Bremen
  • Kunstsammlungen Chemnitz, Chemnitz
  • Museum Kunstpalast, Düsseldorf
  • Museum Küppersmühle Sammlung Grothe, Duisburg
  • Museum Folkwang, Essen
  • Hamburger Kunsthalle, Hamburg
  • Städtische Galerie beim ZKM, Karlsruhe
  • Kunsthalle Kiel, Kiel
  • Museum Ludwig, Köln
  • Staatliche Graphische Sammlung, München
  • Pinakothek der Moderne, München (Sammlung Stoffel)
  • Kunstmuseum Wolfsburg, Wolfsburg
  • Kunstmuseum Walter, Augsburg
  • Sammlung Würth, Künzelsau
  • Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland, Bonn
  • FRAC – Ile-de-France Le Plateau, Paris
  • Centre Pompidou – Musée National d’Art Moderne, Paris
  • Musée d’Art Moderne et Contemporain de Strasbourg, Straßburg
  • The Montreal Museum of Fine Arts – Musée des beaux-arts de Montréal, Montreal, Quebec
  • National Gallery of Canada – Musée des beaux-arts du Canada, Ottawa, Ontario
  • Gemeentemuseum Den Haag, Den Haag
  • Van Abbemuseum, Eindhoven
  • Astrup Fearnley Museet for Moderne Kunst, Oslo
  • Sammlung Essl – Kunst der Gegenwart, Klosterneuburg/Wien
  • Museu Serralves – Museu de Arte Contemporânea, Porto
  • Kupferstichkabinett, Basel
  • Cabinet des estampes du Musée d’art et d’histoire, Genf
  • Kunsthaus Zürich
  • Art Institute of Chicago
  • MOCA, Los Angeles, CA
  • Philadelphia Museum of Art
  • The Broad Art Foundation, Santa Monica, CA
  • Saatchi Gallery, London (England)
  • Tate Britain, London