Figuren

Die überwiegend mit Gouache gemalten Bilder der Jahre 1953 bis 1957 markieren eine weitere Schaffensphase im Leben von Anton Räderscheidt, in der er sich in seinen Figurenbildern mehr und mehr der abstrakten Malerei zuwendet. Bildtitel benutzte er in dieser Zeit nur selten. Kennzeichnend für diese Phase sind einfache, grobe Formen und Umrisse, sowie großflächige, ungebrochene und unvermittelt gesetzte Farben.
Die Gouache zeigt deutlich seine Auseinandersetzung mit den künstlerischen Materialien und dem Malprozess als solchem. Komplementärfarbenpaare rufen den Eindruck von Bewegtem, Lebhaftem, aber auch von Vollständigen und Abgeschlossenen hervor. Diese Bewegtheit findet sich im Duktus der Linienführung, die nur die Umrisslinie des Oberkörpers der hinter- und ineinander gestaffelten Figuren wiedergibt. 

Farbakzente akzentuieren einzelne Körperpartien. Farbe und Form steigern sich gegenseitig. Sie wurden aus dem sich unmittelbar ausdrückenden Empfinden des Künstlers in spontaner Pinselführung geschaffen und zeugen von der Ausdruckskraft seiner „Handschrift“. 

Unter Gouache (ital. guazzo „Lache“) bezeichnet man ein wasserlösliches Farbmittel bestehend aus grob vermahlenden Pigmenten unter Zusatz von Kreide und Gummi Arabicum als Bindemittel. Sie kann sowohl für deckende als auch für lasierende Maltechniken verwendet werden. Damit vereint sie die Vorzüge der Aquarellfarbe (lasierend) und die der Ölfarbe (pastos) und kann in dünnen oder auch dickeren Schichten vermalt werden.