Exilzeit

In der Beschäftigung mit dem künstlerischen Werdegang Anton Räderscheidts tritt etwas deutlich hervor: Die von Ihm erlebten Höhen und Tiefen beflügelten sein künstlerisches Schaffen. Biografische Veränderungen manifestierten sich im Bild, lassen den Betrachter staunen über die Unterschiedlichkeit der verwendeten Malstile als unabdingbare Konsequenz seines bewegten Lebens.
Das von Ihm nicht freiwillig gewählte Exil zwischen 1936 und 1949 markiert eine beeindruckende Epoche seines Oeuvres.

Nach Anton Räderscheidts Inhaftierung 1940 in Les Milles durch das Vichy Regime und seiner Flucht, kann er nicht lange mit seiner Familie in Frankreich bleiben. Die Gefahr einer erneuten Internierung oder Abschiebung nach Deutschland ist zu groß.
Zunächst finden Anton Räderscheidt, Ilse Salberg und ihre Kinder Ernst Meyer und Ilse Metzger Unterschlupf bei der Familie Brunet, die Ihnen eine kleine Wohnung zur Verfügung stellt, in der sie so unauffällig wie möglich bis September 1942 leben konnten. Dieser Ort wird am 7. September 1942 entdeckt. Während die Miliz an der Vordertür klingelt, können Räderscheidt, Salberg und ihre Tochter durch das rückwärtige Fenster des Hauses flüchten. 

In der Hoffnung später eine Möglichkeit zur Flucht finden zu können, opferte Ernst Meyer sich in dieser Situation auf und verstrickte die Gendarmen in ein Gespräch. Lucien Coquillat der mit der Familie befreundete Metzger von Barjols, nimmt die Drei bei sich auf. Als er hörte, dass Ernst Meyer sofort an die Gestapo ausgeliefert wurde und somit nicht mehr zu retten war, beschwor er Räderscheidt, mit Frau und Kind in die Schweiz zu fliehen. Er lud sie in seinen Lieferwagen, versteckte sie unter seiner Ware und fuhr sie bis an die Schweizer Grenze, die sie am 8. September bei Collonge-sous-Saléve, in der Nähe von Genf, überquerten.

Stilistisch gesehen ist vorliegende Arbeit von 1945 sehr typisch für die Werkgruppe der im Schweizer Exil entstandenen Arbeiten in denen Räderscheidt alles, was er an Malerei in Paris kennenlernte, nun in der kulturellen Isolation des Schweizer Exils verarbeitete. So erinnert die Geometrisierung der Personen ebenso an den Kubismus, wie die flächig eingesetzten Farben die kaum eine räumliche Tiefenwirkung zulassen.