Abstraktion

Die Abstrakten Bilder, die in den Jahren 1958 bis 1964 entstanden, nehmen einen wichtigen Stellenwert in Räderscheidts künstlerischen und persönlichen Entwicklung ein. Bereits in der Phase der Figurenbildern aus den Jahren 1953-1957 zeichnet sich die Tendenz ab, die sich zunächst zwischen Figuration und Abstraktion bewegte, dann jedoch in der völligen Ungegenständlichkeit mündete.
Die Abstrakte Phase ist geprägt von der Auseinandersetzung Räderscheidts mit den künstlerischen Materialien, sowie dem Prozess des Malens als solchem. Die Malmittel werden nicht mehr nach einem bestimmten Konzept eingesetzt, sondern entwickeln sich eigenständig während des Malprozesses. 

Er verwandte für seine Bilder unverdünnte, dick aufgetrage Ölfarben, die den subjektiven, momentanen Emotionen folgend auf dem Bildträger aufgebracht wurden und mit verschiedenen Werkzeugen oder mit der Hand verändert, verformt und strukturiert wurden. Als Farben wählte er oftmals gebrochenes Weiß, Schwarz, Grün, sowie Erdtöne. Die Bilder erhalten durch ihre reliefartige Struktur der Bildoberfläche Plastizität, sowie einen gewissen haptischen Einfluss auf den Betrachter.

Das Figurative als Bildthema verbindet alle stilistischen Ebenen Anton Räderscheidts. Erst nach seinem Exil und der Rückkehr nach Köln findet der Künstler zur abstakten Malerei, um sich in seinem Spätwerk wieder der Figuration zu widmen, als sich selbst befreiende Malerei.